Was ich nicht vergessen möchte

14 Okt

Wie mein Vater bei meinem ersten Besuch im Krankenhaus nach meiner Hand gegriffen hat und wir dann Händchen haltend da gesessen sind.

Wie er mir beim zweiten Besuch im Krankenhaus gesagt hat, wie sehr er das Foto von den Kindern mag (das er die Woche davor bekommen hat und das neben seinem Bett stand) und dass er jedes mal lachen muss, wenn er die drei ansieht.

Ich ihm bei der Verabschiedung beim zweiten Besuch drei Bussis gegeben haben. Keine Ahnung warum. Vielleicht war das dritte auch von ihm. Es war auf jeden Fall ungewöhnlich.

Dass er so stolz auf die große Tochter war, weil sie schon schreiben und lesen kann.

Dass er mir erst vor kurzem gesagt hat, dass die kleine Tochter sicher einmal sehr hübsch wird und alle um den Finger wickelt.
„Mein Gott, das Kind ist süß.“ Diesen Satz habe ich so oft von ihm gehört.
(Er hat sich sofort ausgebessert und gemeint, die große Tochter ist selbstverständlich auch sehr hübsch. Aber ich weiß schon wie er es gemeint hat, ich bin da ganz seiner Meinung.)

Dass er meinen Mann sehr gemocht hat und er sich immer bei ihm erkundigt hat, wie die Geschäfte laufen. Und weil die gut laufen und mein Mann wenig zu Hause und viel arbeiten ist, ich oft gehört habe, dass das schon gut so sei. (Die Geschäfte. Das wenig zu Hause sein natürlich nicht, aber er war beruhigt, dass es uns gut geht.)

Wie er vor drei Wochen, als meine Mutter auf Urlaub war, bei mir Mittagessen war. Ich war ganz aufgeregt, was ich kochen soll und ob ich Punkt 12:00 Uhr fertig bin. Aber es hat ihm geschmeckt – hat er zumindest gesagt. (Ich habe im übrigen um 9:00 Uhr zu kochen begonnen. Wahrscheinlich um ihm zu zeigen, dass ich alles im Griff habe.)

Wie sehr er mich mit seiner Ungeduld manchmal genervt hat.

Und wie wir uns gar nicht getraut haben über manche Ideen mit ihm zu reden. (Nicht ganz ernst gemeint.) Zumindest musste man sehr sicher sein, dass man das haben will. Zu erwähnen, dass man überlegt irgendwas am Haus zu verändern ging nicht. Man konnte sicher sein, es wird am nächsten Tag damit begonnen. Um 7:00 Uhr. Spätestens.

Und was ich nie, nie vergessen möchte:
als meine Tochter Montag früh zum Bus gehen sollte, aber wieder zurück gekommen ist, weil der Himmel so schön ist. So rosa. Dass ich mir das unbedingt anschauen muss.

Keine drei Minuten als sie wieder draußen war, hat das Telefon geläutet… Ich hatte gar keine Zeit mir den Himmel anzuschauen.

Das hätte ich schon vergessen, wäre das nicht das erste gewesen, das sie erwähnt hat, als wir sie abgeholt haben. Wo sie noch nichts wusste, aber wir alles.

***

Ich hoffe, ich kann die Liste noch erweitern. Und ich hoffe, mir fällt noch etwas zu meinem Sohn ein.

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3 Antworten zu “Was ich nicht vergessen möchte”

  1. stadtfrau 17. Oktober 2011 um 21:47 #

    ich lese das alles erst jetzt. mein beileid.

    aber ich finde das sehr schön, was du da aufgeschrieben hast, die sachen, die du nicht vergessen möchtest. ich mache das immer wieder in gedanken mit meiner verstorbenen oma, besonders gerne gehe ich gedanklich durch ihr haus und erinnere mich an möbeln und gegenstände oder an essen, das sie gekocht hat oder wie sie bestimmte sachen gemacht hat. es werden dir sicher noch viele schöne sachen einfallen, die du nicht vergessen wirst!

  2. KatjaW 17. Oktober 2011 um 22:12 #

    So schön und so traurig. Ich wünsche nochmal weiterhin viel Kraft.

  3. Mama Miez 18. Oktober 2011 um 08:15 #

    ((( ♥ )))
    festhalten.

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