Vorbei

17 Okt

Da bin ich wieder. Schlaflos im Bett.
Das Schlimmste ist überstanden, behaupte ich mal. Hoffe ich.

Heute war die Beerdigung.
Zu den Aufregungen der letzten Woche kamen noch ein paar mehr dazu. (Es hätte eigentlich nur mehr gefehlt, dass sie den Sarg fallen lassen.)

Ich hole jetzt doch etwas weiter aus.

Meine Eltern haben seit Jahren ihr Grab ausgesucht, das Grab, in dem auch meine Urgroßeltern liegen.
Vor ein paar Jahren hat mein Vater sich schon einen Grabstein ausgesucht und dort aufstellen lassen. (Er wollte das, ein komisches Gefühl war das trotzdem.)

Also geht man davon aus, dass das geklärt ist.
Und dann stellt sich, während man beim Bestatter sitzt, heraus, dass nicht nur Bestattungskosten zu bezahlen sind sondern von der Gemeinde eine Gebühr verlangt wird. Dafür, dass im Grab Platz gemacht wird. Pro Person, die dort schon liegt. In Summe wird das zwischen 4.000€ und 5.500€ ausmachen. (ich habe unterschiedliche Informationen, im Grunde ist es aber auch egal, beides ist viel.)

Etwas viel. Viel zu viel.

Und wie wir rausgefunden haben, kostet es in anderen Gemeinden im
gleichen Bundesland einen Bruchteil davon, teilweise gar nichts. Es soll bei uns auch knapp 1.000 € kosten jemanden auszugraben, der seit 89 Jahren da drinnen liegt.
Wir finden das alle sehr befremdlich.

Also tauchte in den letzten Tagen die Frage auf, ob mein Vater nicht eingeäschert werden soll. Aber hätte er das gewollt, hätte er das ja wohl gesagt. Eine Urne hätte nämlich ohne diese Gebühr ins Grab gekonnt.
Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, ein anderes Grab zu nehmen. Müssen nämlich fremde Personen enterdigt werden, kostet das: nichts.

Aber auch hier wieder: mein Vater wollte doch nicht irgendein Grab.

Um es abzukürzen: es wurde beschlossen, das zu bezahlen und nichts am geplanten zu ändern.

Soweit, so gut.

Am Freitag war meine Mutter am Friedhof und findet ein Schlachtfeld.
Der Grabstein umgefallen, auf das hintere Grab drauf (bei dem der Steindeckel in drei Teile zerbrochen ist) und die komplette Einfassung weggerutscht.

Für meine Mutter war das schon sehr schmerzhaft.

Dann erfahren wir heute, 15 Minuten bevor wir los fahren wollten, dass die das Grab nicht fertig bekommen. Anscheinend war am Wochenende kein Mensch dort um irgendetwas in Ordnung zu bringen.

(Ein Tag später, bin gestern nicht weiter gekommen.)

Die Lösung: wir sollen zuerst mal in die Kirche, vielleicht reicht ja die extra-Stunde um alles in Ordnung zu bekommen.
Und tatsächlich verlassen die Arbeiter den Friedhof als wir dort ankommen. Notdürftig zusammen gebastelt. Alles nur mit Brettern verkleidet, der Boden voll mit Erde – und der Aushub des Grabs, unsere 5.000 € Erde – in einer Mulde. Auf. Dem. Nebengrab.

Die Trauerfeier und die Beerdigung konnten wie geplant statt finden. Ich möchte gar nicht viel drüber schreiben. Traurig war es, aber schön gemacht vom Pfarrer. Aber auch sehr unwirklich. Noch immer. Irgendwann wird mich das ganze mit voller Wucht erwischen, denn nein, das hat es noch nicht.

Meine (ich lasse das Adjektiv weg) Schwägerin, die einzige, die zu unserer 16 Personen großen Familie nicht wirklich dazu passt, kann übrigens – und das schwöre ich – auf Befehl ohnmächtig werden. Wenn sie nicht genug beachtet wird, zum Beispiel.

Na, wer mag raten, was gestern noch los war?

Alles verrückte. Alles.

———
Wir haben übrigens nicht vor, das Geld an die Gemeinde ohne weiteres zu bezahlen. Ein befreundeter Anwalt klärt da vorher noch einiges ab.

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5 Antworten zu “Vorbei”

  1. wunschwolke 18. Oktober 2011 um 11:17 #

    Ich finde irgendwie keine Worte. Aber ich bin in Gedanken ganz viel bei dir. *drück*

  2. seenia 18. Oktober 2011 um 11:31 #

    OMG! ich will nicht wissen, was so im detail bei euch los war. omg! das gibt’s doch nicht. unglaublich sowas.

    denke fest an dich.

  3. Frau Bluemel 18. Oktober 2011 um 13:26 #

    meine güte. ich bin sprachlos. komplett ohne worte.

    es tut mir unendlich leid, für dich, deine mutter, deine familie. so kann doch kein mensch trauern… ich hoffe, dass sich wenigstens ein bisschen was davon noch klärt, damit ihr euren frieden machen könnt. bis dahin viel viel kraft!

    liebe wünsche und grüsse.

  4. dus 18. Oktober 2011 um 16:04 #

    einatmen. ausatmen. weiter.

  5. frauperle 20. Oktober 2011 um 12:38 #

    Ich bin fassungslos.

    ….

    Und ich hoffe für euch, dass sich alles irgendwie in Luft auflöst.

    ((♥))

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