In der Zwischenzeit

27 Okt

Es gibt nicht viel zu erzählen.
Ich merke aber an den Freunden im „echten“ Leben, dass man sich im mich sorgt. Und darum schreibe ich hier mal kurz.
Wie es mir geht kann ich nicht sagen. Den Umständen entsprechend gut? Es ist nicht so, dass ich ständig in Tränen ausbrechen würde. Es ist aber schon so, dass ich 3/4 der Zeit an nichts anderes denke, egal was ich mache oder wo ich bin.

Ich würde aber gerne weinen. Seit der Anruf kam, würde ich gerne mal so richtig weinen. Aber es geht nicht.

Aus anderen Gründen habe ich in zwei Wochen einen Termin bei einer Therapeutin. Ich freue mich da schon fast drauf. Vielleicht warten die anderen Gründe noch kurz und ich kann mit ihr mal darüber reden?
Darüber reden kann ich nämlich gar nicht gut.

Ansonsten… Der Anwalt konnte noch nicht viel rausfinden (wir mussten auf die Rechnung der Gemeinde warten), da wird sich nächste Woche hoffentlich etwas tun.

Meine Mutter ist auch gefasster als erwartet.
Es stört mich nicht, ich wundere mich nur über ihr Tempo. Die Medikamente und die Kleidung sind schon ausgemistet und weggebracht, sie hat im Bett Seiten getauscht (zuletzt lag mein Vater auf ihrer Seite weil die näher zur Türe war) und heute hat sie mir ein angefangenes Sudoku-Heft gegeben.
Weil sie dachte, ich möchte es fertig machen.
Ich wollte das Heft nur als Erinnerung haben. Ich finde ja die Vorstellung, dass er das Heft – oder das Buch, dass er im Krankenhaus mit hatte – nicht mehr fertig bekommen hat, unfassbar traurig.

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4 Antworten zu “In der Zwischenzeit”

  1. rage 27. Oktober 2011 um 21:54 #

    als meine schwester starb – und das war ja damals ein plötzlicher tod – dauerte es zwei jahre, bis ich die tränen fand. es war in finnland, und die kleine schwester meines damaligen freundes kam aus dem meer gelaufen. nass. das anschliessende tränenmeer, ausgelöst durch ein schlechtes gewissen, weil ich meine schwester im schwimmbad einmal schäbig behandelt hatte, dauerte die ganze nacht. diese kleine schwester war ungefähr im alter meiner schwester und ja, man merke: es war das nasse kind, das die andere erinnerung auslöste.

    also: lass dir zeit. den tränen auch. sie kommen, wenn sie müssen. (und ja, ich weiss: wäre sie nicht gestorben, wäre die schäbige behandlung vergessen, weil normales geschwistergeplänkel. so wars eins der letzten gemeinsamen erlebnisse.)

  2. Das Muttertier 30. Oktober 2011 um 14:11 #

    Was soll ich sagen? Ich fühle mit Dir. So sehr. Ich war vor kurzem mit drei schweren Schicksalsschlägen innerhalb eines Jahres konfrontiert. Ich konnte gar nicht anders, als meinen Schmerz sofort rauszuweinen und ihn regelrecht aus mir rauszubrüllen. Aber so bin ICH. Tränen sind MEIN Ventil, um mit emotionalem Überdruck umzugehen. Du brauchst vielleicht etwas anderes. Ich wünsche Dir, dass Du einen Weg findest, damit das raus kann, was jetzt noch so tief in Dir steckt. Was wir aber alle sicher brauchen ist Zeit, um zu heilen! Alles Liebe…

  3. frauniepi 1. November 2011 um 13:45 #

    ich finde die vorstellung, daß du vielleicht ein von ihm angefangenes sudoku zu ende bringst wundervoll.
    vielleicht ist die zeit zu trauern einfach noch nicht da und du hast zu viel anderes zu tun. und vielleicht soll auch gerade das so sein, bis du die kraft hast dich dem zu stellen. alles wird gut, irgendwie.

  4. wunschwolke 1. November 2011 um 14:52 #

    ich denke an dich. viell. hilft es wirklich mit der therapeutin zu reden – weil sie ‚unbeteiligt‘ ist. *drück* vor allem: lass dir zeit. wenn’s länger dauert, dann dauert es eben länger. du bestimmst das tempo und wann du soweit bist.

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